Mein wahres Leben zwischen zwei Religionen

Mittlerweile habe ich zwei Bücher geschrieben, die davon handeln, wie Liebe Menschen aus völlig verschiedenen Kulturkreisen und mit unterschiedlichen Religionen aneinander bindet. Dass solch eine Liebe machbar ist und funktionieren kann. Natürlich hat mich dieses Thema besonders interessiert, weil es mich persönlich betrifft und ich meine eigenen Erfahrungen damit gemacht habe. Bis heute werde ich auch immer wieder deswegen angeschrieben, dass so etwas eher doch nicht möglich ist, dass ich es im Buch schön verpacke und es im realen Leben aber eher nicht umsetzbar ist, doch ich kann darüber nur immer lächeln.

Doch es ist machbar, ich lebe es jeden Tag und ich kann mir nichts Besseres wünschen, deswegen lasse ich euch neben meinen Büchern Hope und Mila auch an meinen persönlichen Erfahrungen teilhaben.

Oft erlebe ich, dass mich Leute anschreiben und mir sagen, dass sie meine Bücher über die verschiedenen Religionen und deren gemeinsamen Weg toll finden, sich das aber nicht im realen Leben vorstellen können, dass man vor zu viele Probleme gestellt wird und es gar nicht wirklich funktionieren kann.

Ich kann ihnen dann einfach nur sagen:

Doch es geht, es funktioniert und das sogar ganz wunderbar, natürlich gibt es keine Garantien und es kann auch ganz furchtbar schiefgehen wie alle Ehen. Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen erzählen, jede Liebe und jeder Weg ist anders, jeder Mensch muss seine eigenen Erfahrungen machen und darf keine Angst davor haben.

Hier erzähle ich erst einmal, wie es dazu kam, dass wir ein Paar wurden, ob wir uns Gedanken gemacht haben, ob es klappen kann, so eine Beziehung zwischen zwei Religionen, und wie es kam, dass der Mann, der mich unter einem falschen Namen angerufen hat, mal mein Ehemann geworden ist.

Wenn mich jemand fragt, ob ich mir bewusst einen Muslimen als Mann gesucht hätte, wüsste ich gar nicht, was ich antworten würde, bei uns waren die Religionen nie ein besonders vordergründiges Thema, bis heute ist es nichts, worüber wir viel nachdenken oder reden, wir leben einfach damit, vielleicht ist das auch das Geheimnis. 

Als mein Mann und ich uns kennengelernt haben, waren wir beide noch sehr jung. Ich war sechzehn, er achtzehn. Er hat mich damals aus dem Bus gesehen und die Jungs, mit denen er zusammen war, kannten mich und haben ihm meine Telefonnummer gegeben. Ich werde niemals vergessen, wie er mich anrief und mir einen falschen Namen nannte, nur damit, falls ich ihn abblitzen ließe, er sich nicht vor seinen Freunden blamiert und sie wissen, dass er es war. Mein Mann bringt mich sicher um, wenn er das liest, aber ich fand das damals so merkwürdig und ungewöhnlich. Ich habe sofort gemerkt, dass er lügt und trotzdem bin ich mit einer Freundin zu dem ersten Treffen gegangen, um herauszubekommen, wer dieser verrückte Kerl ist.

Aus einem Treffen wurden zwei und dann immer mehr. Zu diesem Zeitpunkt hat niemand von uns beiden daran gedacht zu heiraten, ob das für die Zukunft passt, was mit den Religionen ist, wir waren dafür viel zu jung. Es war noch nicht einmal klar, ob wir ein Paar werden, mein Mann musste sich schon ziemlich um mich bemühen, bevor wir uns näher gekommen sind, doch auch dann hat sich niemand Gedanken um irgendwelche Religionen gemacht. Wir sind einfach in diese Beziehung hineingewachsen.

 

Ich war schon immer ein sehr misstrauischer Mensch und habe nicht so leicht jemanden an mich herangelassen und mein Mann hat das damals akzeptiert. So wie ich es oft in meinen Büchern beschreibe, hat auch mein Mann mein Herz komplett für sich gewonnen. Er musste gar nicht so spektakuläre Dinge anstellen. Was mir am meisten bedeutet hat, war, dass egal was war, egal wann ich ihn brauchte, er war immer da. Bis heute ist das so, wenn ich ihn brauche, ist er da, den ganzen Weg bis heute stand er immer hinter mir und ich wäre nicht das, was ich heute bin, ohne ihn. 

Aber wie gesagt, wir haben die Religion des anderen kennengelernt und respektiert, doch uns nie Gedanken darüber gemacht. Mein Mann ging hin und wieder in die Moschee, ich in die Kirche. Wenn er gefastet hat und ich gerade bei ihm war, habe ich natürlich auch nichts gegessen oder getrunken und wenn wir Weihnachten oder Ostern gefeiert haben, war er mit meiner Familie zusammen. Keiner von uns beiden hatte damit ein Problem. Wir sind beide in Berlin geboren und keiner ist sehr streng aufgewachsen. Unsere Familien sind da genauso hineingewachsen wie wir auch.

Am Anfang dachten sicherlich alle, dass das eine junge Liebesbeziehung ist, die vielleicht ein paar Monate hält und haben auch nicht besonders viel darüber nachgedacht, welche Bedeutung das alles für die Zukunft hat.

Nachdem wir ein paar Monate zusammen waren, kam schon eine erste Bewährungsprobe. Mich hat damals etwas aus meiner Vergangenheit eingeholt und ich musste durch schwere Zeiten, wieder stand mein Mann hinter mir und war immer für mich da. Es gibt viele Männer, die mich in dieser Situation hätten sitzen lassen, doch er war da und da habe ich schon gemerkt, dass diese Beziehung anders ist, dass dieser Mann anders ist und eine andere Bedeutung in meinem Leben hat. 

Dadurch, dass wir noch jung waren, haben wir uns nicht viele Gedanken um die Zukunft oder Religion gemacht, doch als wir ungefähr ein Jahr zusammen waren, wurde unsere Beziehung schwerer, unsere Leben haben sich geändert, wir sind zusammen erwachsen geworden und es folgte ein sehr anstrengendes Jahr, in dem jeder seinen Weg gehen wollte, nicht wusste, was von dieser Beziehung wirklich zu halten ist, wo viele Einflüsse von außen mitgespielt haben und wir diese typische on/off-Beziehung hatten, die so viele junge Menschen erleben, nicht weil sie nicht in der Lage sind, Beziehungen zu führen, sondern weil sie in manchen Phasen des Lebens einfach schwer zu halten ist.

Irgendwann hat es mir damals gereicht, wir waren getrennt, kannten uns mittlerweile schon über zwei Jahre und doch konnte sich niemand so hundertprozentig sicher in dieser Beziehung sein und das, obwohl wir schon so viel zusammen durchgemacht hatten. Dieses Mal habe ich nicht reagiert, als mein Mann nach einer gewissen Trennungszeit den Kontakt wieder aufnahm und ich glaube, das war das erste Mal, dass mein Mann wirklich Angst hatte, mich endgültig zu verlieren.

Wir haben uns eine Weile nicht gesehen und ich denke, dass dieser Zeitpunkt die Wende war. Es war klar, dass wenn wir wieder zusammenkommen, es wirklich eine feste Beziehung ist und auch wenn wir noch so jung waren, haben wir gespürt, dass wir nicht ohne den anderen sein wollten und haben dann letztlich den Weg wieder zusammengefunden. 

Diese Wende hat einiges geändert, wir wussten von da an, dass wir zusammengehören und so haben auch unsere Familien das erste Mal gemerkt, dass es nun nicht mehr nur eine einfache Jugendliebe ist. Vielleicht hätte da jemand unter anderen Umständen etwas gesagt, doch da wir schon so lange zusammen waren und jeder die Familie des anderen kannte, hat auch niemand mehr wirklich etwas dagegen einwenden können.

Das dritte Jahr hat uns eigentlich nur noch mehr zusammengeschweißt, nun hatten wir es geschafft, einen Weg zu finden, um gemeinsam erwachsen zu werden, mein Mann begann zu arbeiten, während ich noch weiter zur Schule ging. Meine Familie schloss ihn immer mehr in ihr Herz .

Ein wichtiger Schritt war es, als meine Mutter, eine meiner Schwestern, mein jüngerer Bruder, mein Mann und ich zusammen zu seiner Familie nach Tunesien geflogen sind. Auch hier in Deutschland hat er Familie, aber der größte Teil lebt in Tunesien und die zwei Wochen, die wir in dem Land verbracht haben, waren sehr wichtig für alle Seiten. 

In der Familie meines Mannes gibt es Menschen, die die Religion strenger ausleben und welche, die das alles ganz locker sehen, es ist ganz normal, dass zwei Cousinen zusammen sitzen, die eine trägt ein Kopftuch und die andere ist geschminkt und modern gekleidet, jeder muss das für sich alleine entscheiden und ich bin mir sicher, dass diese Reise meiner Mutter viele Ängste genommen und ihr unausgesprochene Fragen beantwortet hat. 

Uns hat diese Reise noch mehr zusammengebracht. Kurz danach hat es sich ergeben, dass meine Mutter sich mit ihrem Mann ein Haus gekauft hat, wir wollten aber in der Stadtwohnung bleiben.

Mein Mann und ich haben zu diesem Zeitpunkt nicht darüber nachgedacht zusammenzuziehen, doch dann kam es einfach so, indem wir die Wohnung übernommen und für uns hergerichtet haben. Vielleicht waren wir dann aber auch, egal wie jung wir damals noch waren, trotzdem etwas altmodisch und haben uns still und heimlich verlobt.

Es hat seine Zeit gedauert, erst nach und nach haben es alle mitbekommen. 

Uns beiden war zu diesem Zeitpunkt klar, dass wir zusammengehören und wir waren durch die Jahre zuvor schon so eine Einheit geworden, dass auch niemals jemand dagegen hätte etwas tun können, also hat auch niemand dagegen gesprochen.

Ich bin mir sicher, dass das anders gewesen wäre, wären wir später zusammengekommen, hätten uns schnell verlobt oder die Familie hätte schneller gemerkt, was da passiert. Vielleicht wären dann ein paar Stimmen laut geworden, so sind unsere Familien über die Jahre mit uns zusammen an diese Beziehung herangewachsen.

Zu dem Zeitpunkt lief alles perfekt, es war eine große Hochzeit geplant, meine Ausbildung ging zu Ende, wir hatten eine große Wohnung und mein Mann einen guten Arbeitsplatz.  

Bei der Planung der Hochzeit und der Überraschung, die sich dann ankündigte, merkte ich vielleicht das erste Mal, dass es da doch einige Unterschiede geben kann, doch das erzähle ich euch nächste Woche weiter, wenn es um die Hochzeit, die Kinder und deren Erziehung, den Verlauf unserer Ehe und den Alltag zwischen zwei Religionen geht. 

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Kommentare: 5
  • #1

    Isil Celik (Sonntag, 31 Juli 2016 21:52)

    Soo sooo schön! Ich wünsche Jeden eine so wunderbar funktionierende Beziehung! Jetzt ist es etwas deutlicher woher die Inspirationen für deine Bücher kommen..
    Danke für diesen Einblick, Jaliah❤️

  • #2

    sonya//Aziz (Sonntag, 31 Juli 2016 22:37)

    Es ist so schön geschrieben und du schreibst einigen aus der Seele! Es ist auch so geschrieben, als ob wir dabei waren!
    Ich wünsche euch alles Liebe der Welt und Gottes Segen für alles!
    Liebe Grüße
    Sonya

  • #3

    Janina (Sonntag, 31 Juli 2016 23:58)

    Das ist wunderschön und ich hoffe, das auch andere die dran glauben, das eine Beziehung mit unterschiedlichen religionen nicht klappt vom gegenteil überzeugt werden und wenigstens an eine chance hoffen, auch wenn es nicht immer klappt.
    Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft mit deinem Mann und deinen Söhnen. Hoffentlich bleibt deine Ehe weiterhin so wie sie dir am Herzen liebt
    Ps: eine andere Frage in vielen Büchern trägt ein Schmetterling eine Bedeutund hat er in Ihrem persönlichen Leben eine große Bedeutung ?

  • #4

    Celina (Montag, 01 August 2016 19:05)

    Oh so schön. :)
    Vielen dank Jaliah das du uns ein teil deines Lebens werden lässt.

  • #5

    Fabiola (Montag, 01 August 2016 20:01)

    Schöne wahre Worte ich muss sagen du hast mit allen recht ich habe dein Buch hope gelesen und hab mich in diese Geschichte verliebt ich bin selber mit einem Moslem sehr lange zusammen und du hast mit allem recht wen Mann sich liebt dann klappt es du bist ein schönes Beispiel dafür danke für diese Worte