Das Leben in der Öffentlichkeit

Wie würdet ihr damit umgehen, wenn ihr plötzlich in der Öffentlichkeit steht?

Bevor ich angefangen habe zu schreiben, habe ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie es für Menschen ist, in der Öffentlichkeit zu stehen, wie es ist damit umzugehen, wenn Menschen Interesse daran haben, wie du lebst oder wie es privat bei dir aussieht. 

Ganz am Anfang war all das auch noch nicht von so hoher Bedeutung, doch je mehr Leser ich bekommen habe, desto mehr kamen Fragen zu meinem privaten Leben, Interesse an meinem Leben und das erste Mal musste ich mir überlegen, wie ich damit umgehe. 

Zusammen mit meinem Mann habe ich mir dann überlegt, gar nichts preiszugeben. Ich bin keine Schauspielerin oder Sängerin, wo es wichtig ist, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Viele Autoren leben zurückgezogen und man weiß nur sehr wenig über sie. Mein Schwager hat mir sogar einmal erzählt, dass er etwas zustellen sollte an eine Autorin, in ein Büro gekommen ist und ein Mann das Paket entgegennahm, der die ganze Zeit unter einem Frauennamen als Pseudonym geschrieben hat. 

Nein, ich bin kein Mann, aber ich wollte nichts weiter preisgeben, keine privaten Daten wie Nachname oder andere Daten. So habe ich es am Anfang auch ganz klar gehalten, vielleicht war das falsch, ich weiß es bis heute nicht. Es gab auch niemanden, der mich da hätte beraten können, niemand in meinem Bekanntenkreis, der damit Erfahrungen hat, also habe ich einfach nach meinem Gefühl gehandelt. Bis heute ist das ein sehr schweres Thema für mich. 

Irgendwie ist es darauf hinausgelaufen, dass je weniger ich preisgegeben habe, umso neugieriger wurden alle und noch schlimmer, umso mehr Geschichten sind aufgetaucht, die gar nicht gestimmt haben. Wie auch heute noch haben Leser Bilder zu den Geschichten erstellt und als die dann gezeigt wurden, hieß es immer, ich wäre die Person auf den Bildern.

Zudem wurden die Bücher immer beliebter und wir hatten Pläne für T-Shirts, durch meine zweite Seite, wo es viel um Mode und Produkte ging und Designer ihre Sachen präsentieren wollten. Da haben wir wieder zu diskutieren begonnen, ohne einen wirklichen Ansatz einer Lösung. Besonders mein Mann sieht das alles sehr kritisch, schon ohne dass es Bilder von mir gab, gab es regelmäßig böse Nachrichten, Männer, die Bilder geschickt haben, die man nicht wirklich sehen möchte und noch einiges mehr.  All das muss man als Person, die in der Öffentlichkeit steht, nämlich auch in Kauf nehmen. 

 

Uns wurde die Entscheidung quasi abgenommen, als das erste Mal ein echtes Bild von mir herumging, bis heute weiß ich nicht genau, wer es in Umlauf gebracht hat, doch damit war die erste Anonymität weg.

Nach und nach habe ich dann mal Bilder veröffentlicht, wobei ich immer sehr drauf geachtet habe, dass sie nicht zu viel verraten, nicht zu scharf sind, man mich auf der Straße sieht und sich denkt, ist sie das jetzt oder nicht, was bisher auch ganz gut geklappt hat. 

Es ist wirklich ein schwieriges Thema, erst war ich ganz verschlossen, dann viel zu offen, ich denke, dass ich mittlerweile einen relativ guten Mittelweg gefunden habe. Es gibt ein paar Bilder von mir, meine Leser wissen wie ich aussehe, aber ich stelle keine mehr ein, es ist nicht nötig und ich möchte auch gar nicht dieser Diskussion ausgesetzt sein, ob ich gut aussehe oder nicht, wie mein Auftreten wirkt oder ob ich den Vorstellungen aller entspreche. Ich übe einen Beruf aus, wo ich euch in eine Traumwelt ziehe, in mehrere, um genauer zu sein. Ich erreiche euch mit meinen Worten und Gedanken. 

Bis heute finde ich dieses Thema sehr schwer. Klar, ich lasse euch auch gerne in gewissen Grenzen an meinem Leben teilhaben, aber ich muss natürlich auch andere Sachen beachten. Mein Mann hat es mir von Anfang an leicht gemacht, er möchte nicht in die Öffentlichkeit. Von daher stellt sich diese Frage nicht.

Von meinen Söhnen habe ich immer nur bis zu einen bestimmten Alter Bilder veröffentlicht, wo sie sich noch viel verändern. Von Younes werde ich noch einige Bilder zeigen, bis er ein gewisses Alter erreicht, doch auch bei ihm werde ich irgendwann stoppen. 

Meine Leser sind meistens jünger, was bedeutet, dass jetzt langsam bei meinem ältesten Sohn auch immer mal wieder Freunde dabei sind, die meine Bücher lesen könnten. Sie merken es jetzt langsam, wenn ihre Cousinen anfangen, meine Bücher zu lesen und ich weiß noch nicht, wie es sein wird, wenn Mädchen aus ihrer Klasse zu meinen Lesern werden. 

Dieses Thema wird uns in Zukunft sicherlich mehr beschäftigen, sie werden älter und verstehen mehr und ich hoffe, dass sie  selbst entscheiden, ob sie sagen wollen, ja, die Autorin der Bücher, die du liest, ist meine Mutter oder nicht, aber sie sollen es entscheiden und ich möchte nicht, dass die Leute aus ihren Klassen sagen, ich habe dich letztens bei Instagram bei deiner Mutter gesehen oder dass sie sich vielleicht irgendwann fragen: 

Mag mich das Mädchen jetzt wirklich wie ich bin oder eher, weil sie die Bücher meiner Mutter mag. Ich hoffe nicht, dass es mal so weit kommt, doch um all so etwas so gut es geht zu verhindern, versuche ich, meine Söhne aus allem herauszuhalten und euch zwar vieles aus meinem Leben zu zeigen, aber halt nicht alles.  

Bis heute weiß ich nicht, ob ich alles richtig mache, ich habe das Gefühl, einen guten Mittelweg gefunden zu haben, bin mir aber auch nicht ganz sicher. Ich habe gelernt, Politik und heikle Themen so gut es geht nicht anzusprechen, dass ist meistens schwer zu formulieren und artet immer aus. Privat habe ich kein Facebook, es sind nur die offiziellen Seiten und das überfordert mich schon oft, sodass ich gar keine Geduld für private Accounts hätte. 

Ich liebe meine Leser und wenn mich mal jemand auf der Straße erkennt, schreibe ich auch gerne Widmungen, doch natürlich liebe ich auch meine Familie und möchte unsere Privatsphäre so gut es geht schützen. 

Noch finden meine Söhne das alles sehr cool. Sie haben beide Instagram und sagen, ich soll Bilder von ihnen posten und sie verlinken, damit sie ganz viele Mädchen abonnieren.

Natürlich wissen sie noch nicht genau, was all das zu bedeuten hat und wie sehr das alles noch unser Leben beeinflussen wird, genauso wenig, wie ich es weiß, doch ich hoffe, dass wir damit wachsen und immer einen Weg finden werden, mit dem wir uns wohl fühlen und mit dem ich trotzdem meinen Lesern nah bin und sie so gut es geht an meinem Leben und meinen Gedanken teilhaben lassen kann. 

Mich interessiert wirklich brennend, was ihr darüber denkt,

wie würdet ihr es halten, wenn ihr plötzlich in der Öffentlichkeit stehen würdet?   

Freue mich auf Kommentare dazu.

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Kommentare: 2
  • #1

    Janina (Sonntag, 28 August 2016 18:34)

    Ich finde es gut und wichtig, dass Sie sich und ihre Familie schützen und trotzdem uns ein Stück an ihrem Leben teilhaben lassen. Ich finde ihr Leben hört sich sehr interessant an und natürlich würde ich mich freuen mehr zu wissen aber ich kann sie 100 prozent verstehen. Ich denke ich könnte mich als Öffentliche Person auch nicht ganz in die Öffentlichkeit stellen. Ich denke das Ihr Weg ein sehr guter Weg ist den ich auch so gehen würde. Ich hoffe, dass sie und ihre Familie auch in Zukunft glücklich und sicher bleiben :)

  • #2

    Mina (Samstag, 03 September 2016 20:10)

    Liebe Jaliah J,
    ich habe gerade Ihren Blogartikel gelesen und mir Gedanken darüber gemacht;) Für meine persönliche Meinung finde ich es toll, dass Sie so bedacht an das Tehma rangehen. Natürlich interessieren viele Ihrer Leser Ihr Privatleben etc. doch ich finde, wenn Sie nicht zu viel von sich oder Ihrer Familie preisgeben schützen Sie sich einfach und das sehe ich als etwas positives. Wenn ich mich in Ihre Lage hineinversetze, dann würde ich es nicht anders machen. Dennoch damit wir Ihr wünderschönes Gesicht als Person und Autorin nicht vergessen würde ich mich freuen, wenn Sie irgendwann ein Bild von sich wieder hochladen
    PS: Es gibt so viele Leser, dir Ihre Bücher lesen. Die meisten liebe Sie, dennoch gibt es auch böse oder respektlose Menschen die es nicht gut meinen wie andere begeisterte Leser. Desshalb würde ich es verstehen, wenn Sie das mit den Bildern sein lassen wollen.
    Lg